Mehr Geburten bei Vollmond

Mehr Geburten bei Vollmond – Stimmt das tatsächlich?

„Euer Kind kommt sicher früher, eine Woche vor eurem Entbindungstermin ist Vollmond“… Sätze wie diese habt ihr vielleicht während eurer Schwangerschaft auch schon gehört.

Bei uns in der Verwandtschaft kam das Thema auch schon auf und ich hab sicherheitshalber mal gecheckt, wann denn rund um unseren ET der Vollmond am Himmel steht: Das wäre dann der 18. August, also fünf Tage vor dem geplanten Termin. Aber stimmt es wirklich, dass bei Vollmond mehr Kinder geboren werden?

Vollmond = Mehr Geburten?

Kurz und knackig: Nein, bei Vollmond kommen nicht mehr Kinder zur Welt… und auch bei anderen Mondphasen nicht. In den vergangenen Jahrzehnten gab es zu diesem Thema zahlreiche Studien in aller Welt, die keine Verbindung zwischen den Mondzyklen und der Geburtenrate feststellen konnten.

Eine dieser Studie stammt aus dem Jahr 2008 und wurde von Oliver Kuß vom Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt. Herr Kuß analysierte mehr als vier Millionen Geburten in Baden-Württemberg zwischen 1966 und 2003. In Sachen Ergebnis heißt es im Deutschen Ärzteblatt:

Die Studie widerlegt jetzt einen Einfluss des Mondes auf die Zahl der Geburten: „Einen Mondzyklus konnte ich bei der Analyse der Daten nicht feststellen“, sagte Kuß

Allerdings stellte Kuß fest, dass statistisch gesehen am Montag und Dienstag die meisten und am Wochenende die wenigsten Kinder geboren werden. Eine mögliche Ursache dafür wird allerdings auch genannt: Künstlich eingeleitete Geburten finden in Kliniken eher am Wochenanfang und nicht am Wochenende statt.

Auch in Australien sind Wissenschaftler dem Vollmond-Mythos nachgegangen – hier wurden die Geburten in Australien zwischen dem 1. Januar 1975 und dem 31. Dezember 2003 – immerhin rund 7,1 Millionen – als Grundlage für die Auswertung genommen. Anderer Kontintent, gleiches Ergebnis:

Bei der Analyse von Geburts- und Sterbedaten in Australien innerhalb einer Zeitperiode von 29 Jahren wurde kein Einfluss des Vollmondes auf Empfängnis, Geburt und Todesfälle festgestellt.

Bereits im Jahr 1988 hatten Wissenschaftler von der University of Saskatchewan und aus Gentbrugge insgesamt 21 Studien der letzten 50 Jahre zum Thema Einfluss der Mondphasen auf die Geburtenrate, die in amerikanischen und europäischen Journalen veröffentlicht wurden, ausgewertet. Das Resultat:

Auf der Basis unserer Analysen sieht es so aus, als dass es keine ausreichenden Beweise gibt, die die Ansicht unterstützen, dass es eine Verbindung zwischen Mondphasen und Geburt gebe. Selbst wenn man nur die Studien in Betracht zieht, die zu positiven Beweisen kommen, zeigt sich deutlich, dass die Verbindung im besten Fall sehr schwach und zweitens alles andere als stabil ist.

Warum hält sich die Legende bis heute?

Aber wenn es doch in den letzten Jahrzehnten so viele Studien zum Thema gab, warum hält sich die Legende, bei Vollmond würde die Geburtenzahl steigen, dann so hartnäckig und kommt immer wieder auf?

Ein möglicher Grund dafür könnte unsere Wahrnehmung sein, wie der Focus schreibt: Einen vollen Mond am Himmel registrieren wir viel eher als eine schmale Sichel. Wurde ein Kind bei Vollmond geboren, bringen wir das also eher in Verbindung mit der Mondphase als z.B. bei Neumond.

Bei n-tv bringt der Soziologe Edgar Wunder noch ein weiteres Alltagsphänomen ins Spiel: „Was man erwartet oder zu sehen glaubt bzw. glauben will, sieht man dann durch seine Beobachtungen auch bestätigt“, heißt es im Artikel. Gerade deswegen würden Hebammen überproportional oft an die Macht des Mondes glauben, so Wunder.

Dazu führt n-tv auch ein wie ich finde sehr interessantes Beispiel auf: An der Nordsee waren viele Hebammen der Überzeugung, dass sich der überwiegende Teil der Spontangeburten bei Flut ereigne. Eine statistische Auswertung von über 1.300 Geburten ergab dann aber etwas ganz anderes: Ein wenig mehr als die Hälfte der Neugeborenen kam tatsächlich bei Ebbe zur Welt.


Bildquelle: „Full Moon“ von Rachel Kramer (flickr). Lizenz: CC BY 2.0

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